Mit anderen Augen – von der Perspektive zur Haltung
Wie kommt man von einer subjektiven Perspektive zur pluralitätsfreundlichen Haltung? Dieser Frage ging am zweiten Abend der Vortragsreihe Die Welt mit anderen Augen sehen Christine Abbt (St. Gallen) nach. Im gut gefüllten Universitätsmuseum beleuchtete die politische Philosophin am 11.06.2026 Gedanken zu Möglichkeiten und Grenzen einer Änderung menschlicher Sichtweisen. Dazu stellte die Vortragende prägnante Ideen und Konzepte Immanuel Kants, Denis Diderots, Ludwig Wittgensteins und Judith Butlers vor.
Laut allen vier Philosoph:innen ist eine Transformation der eigenen Sichtweise möglich. Uneinig sind sie darüber, in welchen Grenzen und unter welchen Einschränkungen diese erreicht wird. Eine diesbezüglich relativ optimistische Sicht ergibt sich aus Wittgensteins Auseinandersetzung mit Kippfiguren und -bildern wie dem Hasen/Enten-Kopf. Denn diese Figuren und Bilder bereiten in ihrer unmittelbaren Anschaulichkeit Erkenntnisfreude und können so die Wertschätzung pluraler Perspektiven sinnlich vermitteln. Es handelt sich um strukturierte Erfahrungen, die von der Einnahme einer bestimmten und beschränkten Perspektive zu einer Haltung der Anerkennung von Pluralismus – und damit zu einer Selbstveränderung der Wahrnehmenden – führen können. Diese Erfahrungen können unkompliziert angeboten und ausprobiert werden. Allerdings räumt auch Wittgenstein ein, dass die (Selbst-)Transformation, das Umspringen-lassen der Bilder, nicht allen Menschen möglich ist.
Nach dem Vortrag und der angeregten Diskussion mit dem Publikum führte Sophia Steinegger durch die aktuelle Ausstellung des Universitätsmuseums Demokratie er-leben. Deine Stimme, Deine Wahl. Deine Zukunft. Der gelungene Abend fand bei einem kleinen Umtrunk und weiteren angeregten Gesprächen sein Ende.
Christine Abbt: Mit anderen Augen – von der Perspektive zur Haltung
Moderation: Sonja Rinofner-Kreidl und Susanne Kogler